Du darfst die Begutachtungsstelle für deine MPU frei wählen, solange sie amtlich anerkannt ist. Dazu gehören etwa TÜV, DEKRA, pima-mpu, AVUS und ias. Da jede Stelle seit 2018 ihre Preise selbst festlegt, lohnt ein Vergleich nach Preis, Termin und Erreichbarkeit.
Darf ich mir die Begutachtungsstelle selbst aussuchen?
Ja, die Wahl der Begutachtungsstelle liegt bei dir. Voraussetzung ist nur, dass es sich um eine amtlich anerkannte Begutachtungsstelle für Fahreignung (BfF) handelt.
Die MPU wird von der Fahrerlaubnisbehörde (Führerscheinstelle) angeordnet, erstellt wird das Gutachten aber von der BfF. Die Behörde formuliert dafür eine konkrete Fragestellung, die an den Anlass gebunden ist. Genau diese Frage beantwortet das Gutachten, egal bei welcher Stelle du es machst. Wie die Anordnung zustande kommt, erklärt die Seite Brauche ich eine MPU?.
Welche Begutachtungsstellen gibt es?
Amtlich anerkannte Begutachtungsstellen sind unter anderem TÜV, DEKRA, pima-mpu, AVUS und ias. Alle arbeiten nach demselben fachlichen Standard.
Dieser Standard sind die Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung der BASt und die Beurteilungskriterien der DGVP/DGVM, aktuell in der 5. Auflage von 2026. Sie legen fest, welche Hypothese auf deinen Fall zutrifft und was nachgewiesen sein muss, damit das Gutachten „geeignet" lautet. Die Zuordnung folgt aus deiner Aktenlage, nicht aus der Wahl der Stelle.
Auch der Ablauf ist bei allen anerkannten Stellen gleich aufgebaut: Jede MPU besteht aus einer medizinischen Untersuchung, einem Leistungs- und Reaktionstest und dem psychologischen Gespräch, dazu kommt ein schriftlicher Fragebogen. Das psychologische Gespräch dauert etwa 45–60 Minuten und ist der wichtigste Teil. Dort prüft die Verkehrspsychologin oder der Verkehrspsychologe, ob du die Ursachen deiner Auffälligkeit verstanden hast und eine stabile, belegte Veränderung zeigen kannst.
Gerüchte über „leichte" oder „strenge" Stellen helfen dir nicht weiter. Die Bewertungsgrundlage ist für alle anerkannten Stellen dieselbe, und entscheidend ist, ob deine Veränderung glaubhaft und belegt ist.
Warum unterscheiden sich die Preise?
Die Preise unterscheiden sich, weil seit 2018 jede Begutachtungsstelle ihre Gebühren selbst festlegt. Deshalb gibt es für dieselbe Fragestellung Spannen statt eines Einheitspreises.
Als Orientierung für 2026 gelten diese Richtwerte für die reine Gutachtengebühr:
| Fragestellung | Richtwert Gutachtengebühr 2026 |
|---|---|
| Alkohol oder Drogen | ca. 550–750 € |
| Punkte | ca. 400–650 € |
| Straftaten | ca. 500–700 € |
| Kombinierte Fragestellung (z. B. Alkohol + Drogen) | ca. 650–900 € |
Dazu kommen je nach Fall weitere Kosten, etwa für Abstinenznachweise, Vorbereitung und die Wiedererteilung durch die Behörde (ca. 140–260 €). Den Gesamtüberblick findest du auf der Seite zu den MPU-Kosten. Frag bei der Anmeldung immer nach dem Gesamtpreis für deine konkrete Fragestellung.
Worauf solltest du bei der Auswahl achten?
Bei der Auswahl zählen vor allem praktische Kriterien: der Preis für deine Fragestellung, ein passender Termin und eine gute Erreichbarkeit. Qualitätsunterschiede beim Ergebnis solltest du dagegen nicht erwarten, weil alle nach denselben Kriterien begutachten.
Preis
Vergleiche die Gebühr für genau deine Fragestellung. Eine Kombi-Fragestellung kostet in der Regel mehr als eine einfache. Kläre, ob Zusatzleistungen wie Laborwerte bereits enthalten sind.
Termin
Der Termin sollte zu deinem Zeitplan passen. Bei einer Neuerteilung stellst du den Antrag am besten etwa 3 Monate vor Ablauf der Sperrfrist, denn Bearbeitung und MPU brauchen Zeit. Wenn ein Abstinenznachweis gefordert ist, muss der Zeitraum von 6 oder 12 Monaten vor dem Termin abgeschlossen sein. Hast du noch einen Führerschein, gilt oft eine behördliche Frist für den Eignungsnachweis.
Erreichbarkeit
Die Untersuchung dauert ca. 3–4 Stunden. Plane die Anreise so, dass du ausgeschlafen und pünktlich ankommst. Denk daran, dass du bei entzogener Fahrerlaubnis nicht selbst hinfahren darfst.
Anerkennung deiner Nachweise
Frag vorab, ob die Stelle dein Abstinenzprogramm anerkennt. Das Labor muss nach DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditiert sein, und das Programm muss nach CTU-Kriterien laufen. Kläre das idealerweise schon vor dem Start des Programms.
Wie läuft die Anmeldung Schritt für Schritt ab?
Die Anmeldung läuft in wenigen Schritten ab, beginnend mit der Anordnung durch die Behörde. Wichtig ist, dass du die Reihenfolge einhältst und nichts überstürzt.
- Anordnung lesen: Prüfe Anlass und behördliche Fragestellung in der Anordnung.
- Akteneinsicht nehmen: Nur so kennst du alle Tatsachen, die dem Gutachter vorliegen.
- Stelle auswählen: Vergleiche Preis, Termin und Erreichbarkeit mehrerer anerkannter BfF.
- Behörde informieren: Teile der Führerscheinstelle mit, welche Stelle du gewählt hast, damit die Akte dorthin geschickt wird. Die genauen Formalitäten erfährst du bei deiner Behörde.
- Termin vereinbaren: Erst wenn die Vorbereitung abgeschlossen ist und alle Nachweise vorliegen.
- Unterlagen zusammenstellen: Ausweis, Abstinenznachweise im Original, Kurs- oder Therapiebescheinigungen, ggf. fachärztliche Befunde und deine Brille.
Den Ablauf des Untersuchungstags selbst beschreibt die Seite zum MPU-Ablauf.
Was passiert mit dem Gutachten nach der Untersuchung?
Das Gutachten bekommst du von der Begutachtungsstelle, und du entscheidest selbst, ob du es bei der Behörde einreichst. Die Vorlage ist freiwillig.
Ein positives Gutachten reichst du ein, damit die Fahrerlaubnis erteilt werden kann. Ein negatives Gutachten musst du nicht einreichen, es bleibt der Behörde dann unbekannt. Möglich ist auch die Empfehlung einer Nachschulung: Ein Kurs nach § 70 FeV kann ein grenzwertiges Ergebnis in „geeignet" wenden. Ein Gutachten hat kein gesetzliches Verfallsdatum, Behörden akzeptieren es in der Praxis aber meist nur etwa 1–3 Jahre.
Kann ich bei einem zweiten Versuch die Stelle wechseln?
Ja, auch beim nächsten Versuch hast du wieder die freie Wahl unter den anerkannten Stellen. Ein Wechsel ändert aber nichts an der Bewertungsgrundlage.
Wichtiger als die Stelle ist, warum der erste Versuch nicht geklappt hat. Wie du einen zweiten Anlauf sinnvoll planst, zeigt der Ratgeber MPU im zweiten Versuch.
Was du jetzt tun kannst
- Lies die Anordnung deiner Behörde genau und notiere Anlass und Fragestellung.
- Hol dir bei zwei bis drei anerkannten Begutachtungsstellen den Preis für deine Fragestellung ein.
- Frag vor dem Start eines Abstinenzprogramms, ob die gewählte Stelle es anerkennt.
- Vereinbare den Termin erst, wenn Vorbereitung und Nachweiszeitraum abgeschlossen sind.
- Wenn du bei der Vorbereitung Unterstützung möchtest: passende Vorbereitung finden.
Häufige Fragen
Muss ich die MPU in meinem Wohnort machen?
Nein, du kannst die Begutachtungsstelle frei wählen, solange sie amtlich anerkannt ist. Praktisch spricht viel für eine gut erreichbare Stelle, weil die Untersuchung 3–4 Stunden dauert und du pünktlich und ausgeschlafen sein solltest.
Ist die MPU beim TÜV teurer als bei DEKRA oder anderen Stellen?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Seit 2018 legt jede Stelle ihre Preise selbst fest, deshalb solltest du für deine konkrete Fragestellung vergleichen. Als Richtwert kostet ein Alkohol- oder Drogengutachten 2026 etwa 550–750 €.
Erfährt die Behörde, wenn ich bei einer Stelle durchgefallen bin?
Nein, nicht durch die Begutachtungsstelle. Die Vorlage des Gutachtens ist freiwillig, ein negatives Gutachten musst du nicht einreichen. Nur das eingereichte Gutachten kennt die Behörde.
Wer entscheidet, welche Hypothese auf meinen Fall zutrifft?
Die Zuordnung ergibt sich aus deiner Aktenlage, etwa aus Promille- oder THC-Werten und Wiederholungen. Alle anerkannten Stellen arbeiten dafür nach den Beurteilungskriterien, aktuell in der 5. Auflage von 2026.


