Kurz gesagt
Eine MPU wegen Cannabis brauchst du nach § 13a FeV in der Regel erst, wenn du wiederholt unter Cannabiseinfluss gefahren bist, in der Praxis meist ab der 2. Fahrt über 3,5 ng/ml THC. Schon bei der ersten Fahrt kann sie drohen, wenn Zusatztatsachen wie sehr hohe Werte, Mischkonsum oder Abhängigkeitszeichen vorliegen.
Was hat sich bei der Cannabis-MPU seit 2024 geändert?
Die Cannabis-MPU hat seit 2024 eine eigene Rechtsgrundlage: § 13a FeV. Mit der Cannabis-Legalisierung wurde Cannabis aus den allgemeinen Drogenregeln herausgelöst und eine Regelung geschaffen, die sich an § 13 FeV für Alkohol anlehnt.
Gleichzeitig wurde der THC-Grenzwert im Straßenverkehr angehoben. Seit 2024 gilt nach § 24a StVG ein Grenzwert von 3,5 ng/ml THC im Blutserum, früher lag er bei 1,0 ng/ml. Wer darüber fährt, begeht eine Ordnungswidrigkeit.
Die wichtigste Änderung für dich: Gelegentlicher Cannabiskonsum stellt deine Fahreignung nicht mehr automatisch in Frage. Entscheidend ist, ob du Konsum und Fahren trennst und ob Hinweise auf ein verfestigtes Problem vorliegen. Alle Änderungen im Detail zeigt der Ratgeber Cannabis-Legalisierung und Führerschein.
| Thema | Vor der Legalisierung | Seit 2024 (Stand 2026) |
|---|---|---|
| Rechtsgrundlage der MPU | Allgemeine Drogenregel (§ 14 FeV) | Eigene Regel: § 13a FeV |
| THC-Grenzwert im Verkehr | 1,0 ng/ml Blutserum | 3,5 ng/ml Blutserum (§ 24a StVG) |
| Gelegentlicher Konsum | Konnte bereits Eignungszweifel auslösen | Stellt Eignung nicht mehr automatisch in Frage |
| MPU nach Cannabisfahrt | Nach den allgemeinen Drogenregeln | Bei „wiederholten“ Zuwiderhandlungen, Praxis meist ab der 2. Fahrt |
| Abhängigkeit | Eignung ausgeschlossen | Eignung ausgeschlossen bis 1 Jahr nachgewiesene Abstinenz |
Hinweis: Die Rechtslage rund um Cannabis ist noch in Bewegung. Die Beurteilungskriterien wurden erst 2026 in der 5. Auflage an das Cannabisgesetz angepasst. Zudem beruht die Auslegung von „wiederholt“ auf Behördenpraxis, nicht auf einer festen Zahl im Gesetz.
Ab wann droht eine MPU wegen Cannabis?
Eine MPU wegen Cannabis droht nach § 13a FeV vor allem bei wiederholten Zuwiderhandlungen im Straßenverkehr unter Cannabiseinfluss. Das Gesetz nennt dafür bewusst keine feste Zahl.
In der Behördenpraxis hat sich deshalb eine Faustregel etabliert: Ab der 2. Fahrt über dem Grenzwert wird die MPU regelmäßig angeordnet. Die oft zitierte Regel, dass eine erste Fahrt „frei“ sei, ist aber nur gängige Praxis und steht so nicht im Gesetz.
Neben Fahrten unter Cannabiseinfluss kann auch der Verdacht auf Missbrauch oder Abhängigkeit eine Anordnung auslösen. Verbindlich ist immer das, was in der Anordnung deiner Fahrerlaubnisbehörde steht. Eine allgemeine Einordnung aller Anlässe findest du unter Brauche ich eine MPU?.
Wann reicht schon die erste Cannabisfahrt für eine MPU?
Schon die erste Cannabisfahrt kann für eine MPU reichen, wenn Zusatztatsachen vorliegen, die auf ein tieferliegendes Problem hindeuten. Die Behörde wartet dann nicht auf eine zweite Auffälligkeit.
Typische Zusatztatsachen sind:
- Sehr hoher akuter THC-Wert: zum Beispiel mehr als 11 ng/ml THC im Blutserum.
- Hoher THC-COOH-Wert: mehr als 150 ng/ml THC-COOH. Dieses Abbauprodukt gibt Hinweise auf einen regelmäßigen Konsum.
- Mischkonsum: Cannabis zusammen mit Alkohol oder anderen Substanzen.
- Anzeichen einer Abhängigkeit: etwa aus ärztlichen Befunden oder den Umständen der Kontrolle.
| Situation | Typische Folge (Richtwert, Stand 2026) |
|---|---|
| 1. Fahrt knapp über 3,5 ng/ml, keine Zusatztatsachen | Ordnungswidrigkeit, MPU in der Regel noch nicht |
| 1. Fahrt mit mehr als 11 ng/ml THC oder mehr als 150 ng/ml THC-COOH | MPU möglich |
| 1. Fahrt mit Mischkonsum oder Abhängigkeitszeichen | MPU möglich |
| 2. Fahrt über 3,5 ng/ml | MPU wird regelmäßig angeordnet |
| Festgestellte Abhängigkeit | Eignung erst nach 1 Jahr nachgewiesener Abstinenz |
Was gilt bei Abhängigkeit von Cannabis?
Bei einer Abhängigkeit von Cannabis ist deine Fahreignung ausgeschlossen, bis du 1 Jahr nachgewiesene Abstinenz vorweisen kannst. Das sehen § 13a FeV und die Beurteilungskriterien übereinstimmend vor.
Der Nachweis muss nach den CTU-Kriterien laufen: mit einem akkreditierten Labor, unangekündigten Terminen und lückenloser Dokumentation. Möglich sind Urinkontrollen oder Haaranalysen. Ein positiver Befund oder ein verpasster Termin entwertet in der Regel das laufende Programm. Wie das im Detail funktioniert, erklärt die Seite Abstinenznachweis.
Auch ohne Abhängigkeit kann die Behörde oder der Gutachter einen Nachweis verlangen. Welcher Zeitraum in deinem Fall sinnvoll ist, hängt von deinen Werten und deiner Vorgeschichte ab. Starte ein Programm deshalb erst nach Akteneinsicht, aber dann ohne Verzögerung.
Darf ich mit Medizinalcannabis Auto fahren?
Mit Medizinalcannabis auf Rezept darfst du grundsätzlich fahren, weil das Medikamentenprivileg nach § 24a Abs. 4 StVG greift. Der Tatbestand der Ordnungswidrigkeit ab 3,5 ng/ml entfällt, solange du das Mittel bestimmungsgemäß einnimmst.
Bestimmungsgemäß heißt: Es gibt eine eindeutige ärztliche Verschreibung mit klarer Dosierung, und du hältst dich daran. Missbrauch oder Überdosierung sind davon nicht gedeckt.
Das Privileg hat klare Grenzen. Es schützt dich nicht, wenn du fahruntüchtig bist, also bei Ausfallerscheinungen oder einem Unfall. Dann drohen Strafe und Zweifel an deiner Fahreignung. Auch Mischkonsum mit Alkohol oder anderen Substanzen spricht gegen die Eignung. Bei gesundheitlichen Fragen zur Fahreignung hilft dir die Seite Medizinische MPU.
Wie läuft eine MPU wegen Cannabis ab?
Eine MPU wegen Cannabis besteht wie jede MPU aus Fragebogen, medizinischer Untersuchung, Leistungstest und psychologischem Gespräch. Insgesamt dauert sie etwa 3 bis 4 Stunden.
Im psychologischen Gespräch geht es um deinen Konsum und dein Verhalten im Straßenverkehr:
- Wie hat sich dein Konsum entwickelt, wie oft und in welchen Situationen hast du konsumiert?
- Warum bist du trotz Konsum gefahren, und was war der eigentliche Grund?
- Was hat sich seitdem konkret geändert, und wie belegst du das?
- Wie gehst du künftig mit Situationen um, in denen Konsum und Fahren zusammentreffen könnten?
Der Gutachter vergleicht deine Angaben mit den Werten in der Akte. Eine Erzählung, die nicht zu hohen THC- oder THC-COOH-Werten passt, fällt auf. Wer neben Cannabis auch andere Substanzen konsumiert hat, sollte die Seite MPU wegen Drogen lesen, denn dort gelten strengere Regeln.
Die Gutachtengebühr liegt bei Drogen-Fragestellungen bei etwa 550 bis 750 € (Richtwert 2026), dazu kommen gegebenenfalls Abstinenznachweise und Vorbereitung.
Wie geht es jetzt weiter?
Beantrage Akteneinsicht und prüfe, welche Werte und welche Fragestellung die Behörde nennt. Weil die Rechtslage bei Cannabis noch in Bewegung ist, kann bei Zweifeln an der Anordnung eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt für Verkehrsrecht sinnvoll sein. Für die inhaltliche Vorbereitung kannst du über MPU Plus eine passende Beratung finden.
Häufige Fragen
Wie viel ng THC sind beim Autofahren erlaubt?
Seit 2024 gilt nach § 24a StVG ein Grenzwert von 3,5 ng/ml THC im Blutserum. Wer darüber fährt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Ob zusätzlich eine MPU droht, hängt von Wiederholung und Zusatztatsachen ab.
Bekomme ich nach der ersten Cannabisfahrt eine MPU?
In der Regel nicht, wenn es bei einem Wert knapp über 3,5 ng/ml ohne weitere Auffälligkeiten bleibt. Anders ist es bei Zusatztatsachen wie mehr als 11 ng/ml THC, mehr als 150 ng/ml THC-COOH, Mischkonsum oder Abhängigkeitszeichen. Dann kann schon die erste Fahrt zur MPU führen.
Gibt es für Cannabis eine „zwei Fahrten frei“-Regel?
Nein, nicht im Gesetz. § 13a FeV spricht nur von wiederholten Zuwiderhandlungen ohne feste Zahl. Dass die MPU meist ab der zweiten Fahrt angeordnet wird, ist gängige Behördenpraxis.
Schützt mich ein Cannabis-Rezept vor der MPU?
Ein Rezept schützt dich vor der Ordnungswidrigkeit, wenn du Medizinalcannabis bestimmungsgemäß einnimmst. Bei Ausfallerscheinungen, Unfall, Überdosierung oder Mischkonsum greift das Medikamentenprivileg nach § 24a Abs. 4 StVG jedoch nicht. Dann drohen Strafe und Zweifel an deiner Fahreignung.
Wie lange muss ich bei Cannabis-Abhängigkeit abstinent sein?
Bei festgestellter Cannabis-Abhängigkeit gilt die Fahreignung erst nach 1 Jahr nachgewiesener Abstinenz als wieder möglich. Der Nachweis muss über ein anerkanntes Programm nach CTU-Kriterien laufen.