Startseite / Ratgeber / Ablauf der MPU

Medizinische Untersuchung bei der MPU: Was prüft der Arzt?

Der Arzt prüft bei der MPU in 30–40 Minuten Befund, Leberwerte wie GGT und CDT und dein Konsumverhalten. Was dich erwartet und was du mitbringst.

Titelbild: Medizinische Untersuchung bei der MPU: Was prüft der Arzt?

Kurz gesagt

Die medizinische Untersuchung bei der MPU dauert etwa 30 bis 40 Minuten und wird von einer Ärztin oder einem Arzt der Begutachtungsstelle durchgeführt. Geprüft werden dein körperlicher Befund, bei Alkohol Laborwerte wie GGT, GOT, GPT, CDT und MCV, sowie im Gespräch Anlass und Konsumverhalten. Ziel ist, deine körperliche Eignung zu beurteilen und mögliche Hinweise auf Abhängigkeit zu erkennen.

Welche Rolle spielt die medizinische Untersuchung in der MPU?

Die medizinische Untersuchung ist einer der Bausteine jeder MPU, neben Fragebogen, Leistungstest und psychologischem Gespräch. Der gesamte Untersuchungstag dauert etwa 3 bis 4 Stunden. Einen Überblick über alle Teile gibt die Seite Ablauf der MPU.

Wichtig ist die Abgrenzung zur medizinischen MPU. Die medizinische Untersuchung gehört zu jeder MPU, auch bei Alkohol, Drogen, Punkten oder Straftaten. Eine medizinische MPU nach § 11 FeV ist dagegen eine eigene Fragestellung, bei der eine Erkrankung oder Dauermedikation im Mittelpunkt steht. Diese Fälle erklärt die Seite Medizinische MPU.

Was prüft der Arzt bei der MPU?

Der Arzt prüft bei der MPU drei Bereiche: deinen körperlichen Zustand, Laborwerte und deine eigenen Angaben zu Anlass und Konsum. Der Ablauf unterscheidet sich je nach Begutachtungsstelle und Fragestellung, die Schwerpunkte sind aber ähnlich:

BereichWas geprüft wird
Körperlicher BefundAllgemeiner körperlicher Zustand und körperliche Eignung
LaborwerteBei Alkohol z. B. Leberwerte GGT, GOT, GPT sowie CDT und MCV
Ärztliches GesprächAnlass der MPU und Konsumverhalten
UnterlagenAbstinenznachweise, fachärztliche Befunde, Bescheinigungen
SehvermögenSehprüfung, deshalb Brille oder Kontaktlinsen mitbringen

Ein zentrales Ziel ist, Abhängigkeitszeichen zu erkennen oder auszuschließen. Davon hängt ab, welche Anforderungen an deine Veränderung gestellt werden. Ergeben sich Hinweise auf Abhängigkeit, spricht das bei Alkohol für die Hypothese A1 und bei Drogen für D1. Dann sind in der Regel eine Therapie und eine belegte Abstinenz über 12 Monate nötig, kontrolliertes Trinken ist bei Abhängigkeit ausgeschlossen. Deshalb ist es so wichtig, dass deine Angaben, deine Nachweise und die Befunde ein stimmiges Bild ergeben.

Was sagen Leberwerte wie GGT und CDT aus?

Leberwerte wie GGT, GOT, GPT, MCV und CDT sind indirekte Marker. Sie zeigen nicht direkt, ob du Alkohol getrunken hast, sondern geben Hinweise auf mögliche Belastungen durch Alkohol. Für den Abstinenznachweis spielen sie heute kaum noch eine Rolle, dafür gibt es direkte Marker wie EtG im Urin oder Haar und PEth im Blut.

Trotzdem sind die Werte in der Untersuchung relevant. Sie können ergänzend gute Werte zeigen, die zu deiner Darstellung passen. Sie können aber auch Widersprüche aufdecken. Der Gutachter vergleicht deine Trinkmengen mit BAK und Laborwerten wie CDT. Wer im Gespräch einen geringen Konsum schildert, während die Werte dagegen sprechen, verliert an Glaubwürdigkeit. Mehr zum direkten Blutmarker liest du im Ratgeber PEth-Wert erklärt.

Worüber spricht der Arzt mit dir?

Der Arzt spricht mit dir über den Anlass der MPU und dein Konsumverhalten. Dabei geht es darum, wie viel, wie oft und über welchen Zeitraum du konsumiert hast und wie sich das entwickelt hat.

Für dieses Gespräch gilt dasselbe wie für das psychologische Gespräch: ehrlich und konsistent antworten. Der Gutachter prüft die Konsistenz zwischen Aktenlage, Fragebogen, Laborwerten und deiner Erzählung. Was du dem Arzt sagst, sollte also zu dem passen, was du schriftlich angegeben hast und später der Psychologin oder dem Psychologen erzählst.

  • Nichts kleinreden: Mengenangaben müssen zur Aktenlage passen.
  • Medikamente vollständig nennen: Auch Dauermedikation kann für die Fahreignung relevant sein.
  • Unsicherheiten offen sagen: Lieber „ungefähr“ als eine erfundene genaue Zahl.

Welche Unterlagen brauchst du für die medizinische Untersuchung?

Für die medizinische Untersuchung brauchst du vor allem die Nachweise, die deine Angaben belegen. Packe sie am Vortag vollständig zusammen:

  1. Personalausweis oder Pass für die Identitätsprüfung.
  2. Abstinenznachweise vollständig und im Original, gegebenenfalls ein Trinkprotokoll.
  3. Kurs- und Therapiebescheinigungen, etwa nach § 70 oder § 71 FeV oder aus einer Verkehrstherapie.
  4. Fachärztliche Befunde bei medizinischer Fragestellung, in der Regel nicht älter als 3 Monate.
  5. Brille oder Kontaktlinsen für die Sehprüfung.

Komm ausgeschlafen, pünktlich und nüchtern zur MPU. Konsum am Vortag passt nicht zu einer glaubhaften Veränderung.

Was gilt zusätzlich bei einer medizinischen Fragestellung?

Bei einer medizinischen Fragestellung, etwa wegen Diabetes, Epilepsie, Sehvermögen oder Dauermedikation, wird die ärztliche Untersuchung deutlich wichtiger. Dann brauchst du in der Regel einen fachärztlichen Bericht, nicht älter als 3 Monate, mit einer ausdrücklichen Aussage zur Fahreignung.

Bei der Sehprüfung gelten für die Gruppe 1 (Pkw und Motorrad) feste Werte aus Anlage 6 FeV: Der Sehtest gilt ab 0,7/0,7 als bestanden, augenärztlich sind mindestens 0,5 erforderlich, das Gesichtsfeld muss mindestens 120° umfassen. Für Lkw und Bus gelten strengere Grenzen.

Auch bei Medikamenten wie einer stabil eingestellten Substitutionstherapie oder ADHS-Medikation ist Fahreignung möglich, wenn die Behandlung ärztlich begleitet wird, kein Beikonsum vorliegt und keine Ausfallerscheinungen auftreten.

Kann die medizinische Untersuchung allein über das Ergebnis entscheiden?

Die medizinische Untersuchung ist ein Baustein des Gesamtgutachtens, der wichtigste Teil ist aber das psychologische Gespräch mit 45 bis 60 Minuten. Dort geht es um Ursachen, Veränderung und Stabilität. Die medizinischen Befunde fließen in diese Gesamtbewertung ein.

Bedeutsam werden die Befunde vor allem, wenn sie Hinweise auf Abhängigkeit geben oder deinen Angaben widersprechen. Dann wird es schwer, im Gespräch eine stabile Veränderung glaubhaft zu machen. Umgekehrt stützen unauffällige Befunde und vollständige Nachweise deine Darstellung. Wie du den Nachweis richtig aufbaust, erklärt die Seite Abstinenznachweis.

Was du jetzt tun kannst

  1. Abstinenznachweise prüfen: vollständig, im Original, von einem nach DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditierten Labor.
  2. Medikamente und Vorerkrankungen schriftlich zusammenstellen.
  3. Fachärztliche Befunde bei medizinischer Fragestellung rechtzeitig einholen, damit sie nicht älter als 3 Monate sind.
  4. Konsumbiografie mit der Akte abgleichen, damit deine Angaben zu Werten und Laborbefunden passen.
  5. Gespräch und Ablauf üben: passende Vorbereitung finden.

Häufige Fragen

Muss ich zur MPU nüchtern im Sinne von „ohne Frühstück“ kommen?

Mit „nüchtern“ ist vor allem gemeint, dass du ohne Alkohol- oder Drogeneinfluss erscheinst. Ob du für eine Blutentnahme zusätzlich auf das Frühstück verzichten sollst, erfragst du am besten vorab bei deiner Begutachtungsstelle.

Können schlechte Leberwerte allein zum Durchfallen führen?

Leberwerte sind nur indirekte Marker und werden im Gesamtbild bewertet. Problematisch wird es, wenn sie deinen Angaben zum Konsum widersprechen oder auf eine Abhängigkeit hindeuten. Ehrliche, zur Aktenlage passende Angaben sind deshalb entscheidend.

Wird bei der MPU auch auf Drogen getestet?

Bei Drogen-Fragestellungen spielen Urin- und Haaranalysen auf Substanzklassen eine zentrale Rolle, vor allem als Abstinenznachweis vor der MPU. Welche Untersuchungen am MPU-Tag selbst erfolgen, hängt von deiner Fragestellung und der Begutachtungsstelle ab.

Ist der Arzt bei der MPU derselbe wie der Psychologe?

Nein, die medizinische Untersuchung führt eine Ärztin oder ein Arzt durch, das psychologische Gespräch eine Verkehrspsychologin oder ein Verkehrspsychologe. Beide Teile fließen in ein gemeinsames Gutachten der Begutachtungsstelle ein.

Der große ÜberblickAblauf der MPU: was dich am Tag der Untersuchung erwartet

Weiterlesen