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MPU nach Unfall unter Alkohol oder Drogen: Was dich erwartet

Ein Unfall unter Alkohol ist schon ab 0,3 ‰ strafbar. Wann danach eine MPU droht, was bei Drogen und Fahrerflucht gilt und wie du dich vorbereitest.

Titelbild: MPU nach Unfall unter Alkohol oder Drogen: Was dich erwartet

Kurz gesagt

Nach einem Unfall unter Alkohol machst du dich schon ab 0,3 Promille strafbar, und das Gericht entzieht bei Taten nach § 315c oder § 316 StGB in der Regel die Fahrerlaubnis (§ 69 Abs. 2 StGB). Die MPU ordnet danach die Fahrerlaubnisbehörde an, vor allem ab 1,6 Promille, bei Wiederholung oder bei Hinweisen auf Missbrauch (§ 13 FeV). Bei harten Drogen kann schon der Konsum selbst die Eignung ausschließen (§ 14 FeV), mit oder ohne Unfall.

Was ändert ein Unfall rechtlich an einer Alkoholfahrt?

Ein Unfall verschiebt die Grenze zur Straftat deutlich nach unten. Ab 0,3 ‰ liegt relative Fahruntüchtigkeit vor: Kommt es zu Ausfallerscheinungen oder einem Unfall, ist die Fahrt bereits strafbar. Ab 1,1 ‰ gilt absolute Fahruntüchtigkeit, dann ist die Fahrt immer eine Straftat, mit oder ohne Unfall.

Strafrechtlich kommen vor allem zwei Vorschriften in Betracht. § 316 StGB (Trunkenheit im Verkehr) betrifft das Fahren, obwohl man infolge von Alkohol oder anderen berauschenden Mitteln nicht sicher fahren kann. § 315c StGB (Gefährdung des Straßenverkehrs) greift, wenn dadurch zusätzlich Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet werden, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe. Welche Vorschrift in deinem Fall greift, gehört in die Hände eines Fachanwalts für Verkehrsrecht.

Verlierst du nach einem Unfall unter Alkohol den Führerschein?

In den meisten Fällen ja. Nach § 69 Abs. 2 StGB gilt, wer wegen § 315c oder § 316 StGB verurteilt wird, in der Regel als ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen. Das Gericht entzieht die Fahrerlaubnis und verhängt eine Sperrfrist von in der Regel 6 Monaten bis 5 Jahren (§ 69a StGB).

Dazu kommen Einträge im Fahreignungsregister: Eine Trunkenheits- oder Drogenfahrt als Straftat bringt 2 bis 3 Punkte. Eine Straftat mit Entziehung wird dort erst nach 10 Jahren getilgt (§ 29 StVG). Wie lange die Fristen laufen, erklärt die Seite MPU-Fristen.

Wann folgt nach dem Unfall eine MPU?

Die MPU folgt nicht automatisch aus dem Unfall, sondern aus den Tatsachen, die die Behörde nach § 13 FeV prüft. Die MPU ordnet nicht das Gericht an, sondern die Fahrerlaubnisbehörde, in der Regel wenn du die Neuerteilung beantragst.

SituationTypische Folge für die MPU
Unfall mit 1,6 ‰ BAK oder 0,8 mg/l AAK oder mehrMPU nach § 13 Satz 1 Nr. 2 c FeV
Unfall mit ab 1,1 ‰ ohne alkoholtypische AusfallerscheinungenMPU möglich, fehlende Ausfälle gelten als Hinweis auf Gewöhnung
Wiederholte Alkoholfahrten, auch unter 1,6 ‰MPU nach § 13 Satz 1 Nr. 2 b FeV
Unfall unter 1,1 ‰, erstmalig, ohne weitere HinweiseKeine feste MPU-Schwelle; Behörde entscheidet anhand der Akte
Unfall unter harten DrogenEignung kann schon wegen des Konsums entfallen (§ 14 FeV)
Fahrerflucht nach dem UnfallZusätzliches Straftaten-Thema (§ 142 StGB)

Der Unfall selbst ist dabei vor allem eine belastende Tatsache. Er zeigt, dass aus dem Risiko ein Schaden wurde, und wird im Gutachten entsprechend besprochen. Die Grundlagen zu Promillegrenzen findest du auf der Seite MPU wegen Alkohol.

Was gilt bei einem Unfall unter Drogen oder Cannabis?

Bei harten Drogen wie Kokain, Amphetamin oder Opiaten ist die Lage strenger als bei Alkohol. Schon einmaliger Konsum kann die Fahreignung ausschließen, unabhängig von einer Fahrt. War die Fahrerlaubnis deswegen entzogen, ist vor der Neuerteilung eine MPU anzuordnen (§ 14 Abs. 2 Nr. 1 FeV). In der Regel brauchst du dann einen Abstinenznachweis über 6 oder 12 Monate. Mehr dazu auf der Seite MPU wegen Drogen.

Bei Cannabis gilt seit 2024 § 13a FeV mit dem Grenzwert von 3,5 ng/ml THC im Blutserum. Ein Unfall ist hier besonders relevant, weil unter dem Grenzwert zwar die Ordnungswidrigkeit nach § 24a StVG nicht greift, Ausfallerscheinungen oder ein Unfall aber trotzdem zu Strafe und Eignungszweifeln führen können. Auch das Medikamentenprivileg für Medizinalcannabis schützt bei Fahruntüchtigkeit, etwa mit Unfall, nicht.

Was gilt, wenn du nach dem Unfall weggefahren bist?

Wer nach einem Unfall den Unfallort verlässt, ohne die Feststellungen zu ermöglichen, begeht unerlaubtes Entfernen vom Unfallort nach § 142 StGB. Ist dabei ein Mensch getötet oder nicht unerheblich verletzt worden oder an fremden Sachen bedeutender Schaden entstanden und weißt du das oder kannst es wissen, gilt auch das nach § 69 Abs. 2 StGB in der Regel als Zeichen fehlender Eignung.

Für die MPU bedeutet das ein zusätzliches Thema neben dem Alkohol oder den Drogen. Gutachter fragen dann auch nach Verantwortung, Selbstkontrolle und Normbindung. Kombinationen und Wiederholungsfälle verschärfen die Anforderungen.

Worauf achtet der Gutachter nach einem Unfall?

Der Gutachter achtet nach einem Unfall besonders darauf, ob du die Folgen ehrlich einordnest. Im psychologischen Gespräch geht es wie bei jeder MPU um Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, also um Ursachen, Veränderung und Rückfallstrategien.

Typische Fehler nach einem Unfall sind:

  • Bagatellisieren: „Es war nur Blechschaden“ oder „Der andere hat auch Fehler gemacht“.
  • Schuld verschieben auf Wetter, Straße oder andere Beteiligte statt auf den eigenen Konsum.
  • Einmal-Erzählung trotz hoher Werte ohne Ausfallerscheinungen, die auf Gewöhnung hindeuten.
  • Mengen kleinrechnen: Der Gutachter rechnet die Trinkmenge zurück und vergleicht sie mit der BAK.

Überzeugend ist, wenn du konkret erklären kannst, warum du an diesem Tag gefahren bist, welche Rolle Alkohol oder Drogen damals in deinem Leben hatten und was du seitdem belegbar geändert hast. Wie du dabei Schritt für Schritt vorgehst, zeigt der Ratgeber Führerschein zurück nach Alkohol.

Was du jetzt tun kannst

  1. Fachanwalt für Verkehrsrecht einschalten, solange das Strafverfahren läuft.
  2. Akteneinsicht nehmen, um Werte, Unfallhergang und die spätere Fragestellung zu kennen.
  3. Abstinenzprogramm sofort starten, wenn dein Fall Alkohol- oder Drogenabstinenz erwarten lässt. Die 6 oder 12 Monate sind meist der Flaschenhals.
  4. Neuerteilung früh beantragen, etwa 3 Monate vor Ende der Sperrfrist.
  5. Vorbereitung beginnen, die den Unfall ehrlich aufarbeitet: passende Vorbereitung finden.

Häufige Fragen

Bekomme ich nach einem Unfall mit 0,8 Promille automatisch eine MPU?

Nicht automatisch. Ein Unfall ab 0,3 Promille kann strafbar sein und zum Entzug führen, die MPU-Schwellen des § 13 FeV liegen aber vor allem bei 1,6 Promille, Wiederholung oder Hinweisen auf Missbrauch. Ob die Behörde eine MPU anordnet, hängt von der gesamten Aktenlage ab.

Zählt ein Unfall mit dem Fahrrad unter Alkohol auch?

Ja, auch beim Fahrrad ist eine Fahrt ab 0,3 Promille mit Ausfallerscheinungen oder Unfall strafbar. Ab 1,6 Promille droht eine MPU, die deinen Auto-Führerschein betrifft. Details erklärt die Seite zu Fahrrad und E-Scooter.

Spielt die Höhe des Schadens für die MPU eine Rolle?

Für das Strafverfahren kann der Schaden eine Rolle spielen, etwa bei § 315c oder § 142 StGB. Im Gutachten geht es vor allem darum, ob du die Ursachen verstanden und dein Verhalten stabil geändert hast. Ein Unfall wird dort als ernste Folge des Risikoverhaltens besprochen.

Kann ich schon während des Strafverfahrens mit der Vorbereitung beginnen?

Ja, und das ist meist sinnvoll. Vor allem ein nötiger Abstinenznachweis braucht 6 oder 12 Monate und sollte früh starten. Rechtliche Fragen zum Verfahren klärst du parallel mit einem Fachanwalt für Verkehrsrecht.

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