Startseite / Ratgeber / Alkohol

Trinkprotokoll für die MPU: Was gehört hinein und wie führst du es?

Wofür ein Trinkprotokoll bei kontrolliertem Trinken für die MPU dient, was sinnvoll hineingehört und wie eine einfache Tabellenstruktur aussehen kann.

Titelbild: Trinkprotokoll für die MPU: Was gehört hinein und wie führst du es?

Ein Trinkprotokoll (auch Trinktagebuch) ist deine laufende Dokumentation, wann, was und wie viel du trinkst – und ob du dich dabei an deine eigenen Regeln hältst. Bei der Alkohol-MPU dient es vor allem als Beleg, wenn du statt Abstinenz den Weg des kontrollierten Trinkens gehst. Sinnvoll ist ein Protokoll, das ehrlich, lückenlos und so konkret geführt ist, dass es zu deinen Angaben im Gespräch passt.

Was ist ein Trinkprotokoll bei der MPU?

Ein Trinkprotokoll ist eine schriftliche Aufzeichnung deines Alkoholkonsums über einen längeren Zeitraum. Es macht sichtbar, wie du dein Trinkverhalten heute gestaltest. In der MPU gehört es zu den Belegen, die du in der Gegenwarts-Phase des psychologischen Gesprächs vorlegen kannst – neben Abstinenznachweisen und Kursbescheinigungen.

Eine feste amtliche Vorlage für das Trinkprotokoll ist in den Quellen, auf die wir uns stützen, nicht beschrieben. Wie genau du es führst, klärst du am besten in deiner Vorbereitung. Die folgenden Hinweise sind deshalb als Orientierung zu verstehen, nicht als Pflichtformat.

Wofür wird das Trinkprotokoll genutzt?

Das Trinkprotokoll wird vor allem beim kontrollierten Trinken genutzt. Dieser Weg ist nur möglich, wenn kein Abhängigkeitsbefund vorliegt und du ein plausibles, dauerhaft stabiles Konzept lebst – typischerweise in Fällen, die als Alkoholgefährdung (A3) oder fehlendes Trennvermögen (A4) eingeordnet werden. Anders als bei der Abstinenz gibt es hier keinen einzelnen Laborwert, der „0“ zeigt. Deshalb braucht es eine Dokumentation, zum Beispiel ein Trinkprotokoll, ein Tagebuch oder Coachingberichte.

Das Protokoll zeigt dem Gutachter, dass dein Konzept nicht nur auf dem Papier existiert, sondern im Alltag gelebt wird. Es unterstützt damit die dritte Säule der Begutachtung: Stabilität, also eine über ausreichend Zeit erprobte Veränderung. Wann kontrolliertes Trinken überhaupt infrage kommt, erklärt der Ratgeber Kontrolliertes Trinken oder Abstinenz.

Wann hilft ein Trinkprotokoll nicht weiter?

Ein Trinkprotokoll hilft nicht weiter, wenn für deinen Fall Abstinenz verlangt wird. Das betrifft Abhängigkeit (A1), in der Regel auch fortgeschrittenen Missbrauch (A2 – dort ist kontrolliertes Trinken nur eine enge Ausnahme), Wiederholungsfälle und sehr hohe Promillewerte – als Faustregel über ~2,0 ‰. In diesen Fällen brauchst du Laborbelege nach CTU-Kriterien, etwa Urin- oder Haar-EtG oder PEth, über 6 oder 12 Monate. Ein Protokoll kann einen geforderten Abstinenznachweis nicht ersetzen.

Was gehört in ein Trinkprotokoll?

In ein Trinkprotokoll gehört alles, was zeigt, dass du deine eigenen Regeln einhältst. Ein Konzept für kontrolliertes Trinken beruht auf festen Regeln zu Mengen, Trinktagen, Ausnahmen und Notfallstrategien – und auf der Grundregel 0,0 ‰ am Steuer. Das Protokoll sollte diese Punkte abbilden.

Sinnvoll sind zum Beispiel diese Angaben:

  • Datum – auch an Tagen ohne Alkohol, damit das Protokoll lückenlos ist.
  • Anlass und Situation – zu Hause, Feier, Treffen mit Freunden.
  • Getränk und Menge – so konkret wie möglich, zum Beispiel mit Glasgröße.
  • Regel eingehalten? – Passt der Konsum zu deinen festgelegten Mengen und Trinktagen?
  • Fahren an diesem Tag? – Und wie hast du Trinken und Fahren sicher getrennt?
  • Besondere Situationen – Versuchung, Stress, eine geplante Ausnahme und wie du damit umgegangen bist.

Welche Details genau erwartet werden, hängt vom Einzelfall ab. Die Liste ist eine allgemeine Empfehlung, abgeleitet aus den Bausteinen eines Konzepts für kontrolliertes Trinken.

Wie kann eine Tabelle für das Trinkprotokoll aussehen?

Eine einfache Tabelle mit einer Zeile pro Tag reicht als Struktur. Die folgenden Zeilen sind nur ein Beispiel für den Aufbau, keine Mengenempfehlung.

DatumAnlass/SituationGetränk und MengeTrinktag laut Regel?Regel eingehalten?Gefahren?Notiz
MoArbeit, Abend zu Hausekein Alkoholneinjaja–
FrEssen mit FreundenGetränk + konkrete Mengejajanein (Bahn)Heimweg vorher geplant
SaGeburtstagGetränk + konkrete MengeAusnahme laut RegeljaneinNach Plan aufgehört
SoStress in der Familiekein AlkoholneinjajaVerlangen bemerkt, Spaziergang

Wichtig ist nicht eine schöne Form, sondern dass die Einträge regelmäßig und zeitnah entstehen. Ein Protokoll, das erst kurz vor der MPU nachträglich ausgefüllt wird, wirkt wenig glaubwürdig.

Warum muss das Trinkprotokoll ehrlich sein?

Das Trinkprotokoll muss ehrlich sein, weil der Gutachter alle Angaben auf Konsistenz prüft. Aktenlage, Fragebogen, Laborwerte und deine Erzählung im Gespräch werden miteinander abgeglichen. Bei der medizinischen Untersuchung werden bei Alkoholfällen außerdem Laborwerte wie GGT, GOT, GPT, CDT und MCV erhoben.

Widersprüche fallen sofort auf. Ein geschöntes Protokoll ist deshalb gefährlicher als ein ehrliches, in dem auch mal eine schwierige Situation steht. Entscheidend ist, dass du zeigen kannst, wie du damit umgegangen bist.

Wie nutzt du das Protokoll im Gespräch?

Im psychologischen Gespräch nutzt du das Protokoll als Beleg für die Frage „Was hat sich seitdem geändert – und wie belegen Sie das?“. Du solltest deine Regeln erklären können: Warum diese Mengen, warum diese Trinktage, was tust du in Risikosituationen? Das Protokoll zeigt, dass du dich daran hältst.

Nimm das Protokoll zur MPU mit, zusammen mit Ausweis, Kurs- oder Therapiebescheinigungen und deiner Brille. Wie das Gespräch aufgebaut ist, erfährst du im Ratgeber MPU-Fragen im psychologischen Gespräch und auf der Seite zur MPU-Vorbereitung.

Was du jetzt tun kannst

  1. Klären, ob kontrolliertes Trinken für dich infrage kommt – anhand der Aktenlage und ohne Abhängigkeitsbefund.
  2. Deine Regeln schriftlich festlegen: Mengen, Trinktage, Ausnahmen, Notfallstrategien und 0,0 ‰ am Steuer.
  3. Heute mit dem Protokoll beginnen und es täglich und zeitnah führen, auch an Tagen ohne Alkohol.
  4. Form und Inhalt fachlich prüfen lassen, damit das Protokoll zu deinem Fall passt. Passende Vorbereitung finden.

Häufige Fragen

Brauche ich ein Trinkprotokoll, wenn ich abstinent lebe?

Bei Abstinenz zählen vor allem Laborbelege wie Urin- oder Haar-EtG oder PEth über 6 oder 12 Monate. Das Trinkprotokoll ist in erster Linie ein Beleg für das Konzept des kontrollierten Trinkens.

Gibt es eine offizielle Vorlage für das Trinkprotokoll?

In den Quellen, auf die wir uns stützen, wird keine feste amtliche Vorlage genannt. Eine einfache Tabelle mit Datum, Anlass, Getränk, Menge und Regel-Einhaltung ist eine praktikable Struktur; Details klärst du am besten in der Vorbereitung.

Was mache ich, wenn ich eine Regel gebrochen habe?

Trag es ehrlich ein. Ein geschöntes Protokoll gefährdet deine Glaubwürdigkeit, weil der Gutachter Angaben und Laborwerte abgleicht; besprich den Vorfall in deiner Vorbereitung und prüfe, ob dein Konzept tragfähig ist.

Ersetzt ein Trinkprotokoll den Abstinenznachweis?

Nein. Wenn für deinen Fall Abstinenz gefordert ist, brauchst du Laborbelege nach CTU-Kriterien von einem akkreditierten Labor.

Der große ÜberblickMPU wegen Alkohol: Promillegrenzen, Abstinenz und Vorbereitung

Weiterlesen