Kurz gesagt
Die Beurteilungskriterien sind der fachliche Standard, nach dem MPU-Gutachter in Deutschland bewerten. Sie heißen offiziell „Urteilsbildung in der Fahreignungsbegutachtung“, stammen von DGVP und DGVM und liegen seit 2026 in der 5. Auflage vor. Sie legen fest, welche Nachweise für ein positives Gutachten in deinem Fall nötig sind.
Was sind die MPU-Beurteilungskriterien?
Die MPU-Beurteilungskriterien sind ein Regelwerk, das festlegt, wie Gutachter ein Fahreignungsgutachten begründen. Ihr voller Titel lautet „Beurteilungskriterien – Urteilsbildung in der Fahreignungsbegutachtung“. Herausgegeben werden sie von der Deutschen Gesellschaft für Verkehrspsychologie (DGVP) und der Deutschen Gesellschaft für Verkehrsmedizin (DGVM) im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt).
Neben den Beurteilungskriterien gibt es die Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung der BASt. Beide zusammen bilden den fachlichen Standard für alle amtlich anerkannten Begutachtungsstellen. Deshalb bewerten TÜV, DEKRA, pima-mpu, AVUS, ias und andere Stellen nach denselben Maßstäben, auch wenn sich ihre Preise unterscheiden.
| Regelwerk | Herausgeber | Wofür es steht |
|---|---|---|
| Beurteilungskriterien (Urteilsbildung in der Fahreignungsbegutachtung) | DGVP/DGVM, im Auftrag der BASt | Hypothesen, Prüfkriterien, Anforderungen an Nachweise |
| Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung | BASt | Grundsätze der Fahreignung, auch bei Krankheiten wie Epilepsie oder Diabetes |
| Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) | Gesetzgeber | Anlässe für die Anordnung (§§ 11, 13, 13a, 14 FeV) |
Was hat sich mit der 5. Auflage 2026 geändert?
Die 5. Auflage der Beurteilungskriterien ist Anfang 2026 erschienen und wurde an das Cannabisgesetz angepasst. Cannabis hat damit eine eigene Systematik, die an § 13a FeV angelehnt ist. Gelegentlicher Cannabiskonsum stellt die Fahreignung nicht mehr automatisch in Frage, bei Abhängigkeit ist die Eignung erst nach 1 Jahr nachgewiesener Abstinenz wieder gegeben.
Wichtige Änderungen stammen bereits aus der 4. Auflage von 2022 und gelten weiter:
- PEth anerkannt: Der Blutmarker Phosphatidylethanol ist für den Alkohol-Abstinenznachweis zugelassen. Ein Wert unter 20 ng/ml gilt als Abstinenz, 20–200 ng/ml als relevanter Konsum, über 200 ng/ml als übermäßiger Konsum.
- Kontrolliertes Trinken bei A2 als enge Ausnahme: Nach Kriterium A 2.7 N ist es bei fortgeschrittenem Alkoholmissbrauch nur ohne jeden Hinweis auf Abhängigkeit möglich, mit einem stabilen, therapeutisch erarbeiteten Konzept, belegt über mindestens 6, besser 12 Monate.
Mehr zur Cannabis-Rechtslage findest du unter MPU wegen Cannabis.
Wie ordnen die Kriterien deinen Fall ein?
Die Beurteilungskriterien ordnen jeden Fall einer Hypothese zu, die festlegt, was nachgewiesen sein muss. Die Zuordnung folgt aus der Aktenlage, also aus Promille- oder THC-Werten, Vorfällen und Wiederholungen. Dein Wunsch, etwa lieber kontrolliert zu trinken als abstinent zu leben, spielt dafür keine Rolle.
| Hypothese | Kurzbeschreibung | Typische Anforderung |
|---|---|---|
| A1 | Alkoholabhängigkeit | Entwöhnungstherapie o. Ä., dauerhafte Abstinenz, 12 Monate belegt |
| A2 | fortgeschrittener Alkoholmissbrauch | Regelfall Abstinenz, 12 Monate; kontrolliertes Trinken nur als enge Ausnahme |
| A3 | Alkoholgefährdung | geändertes Trinkverhalten, kontrolliertes Trinken oder ca. 6 Monate Abstinenz |
| A4 | Trennvermögen | stabile Trennung von Trinken und Fahren |
| D1 | Drogenabhängigkeit | Therapie und stabile Abstinenz, 12 Monate |
| D2 | Drogenmissbrauch | stabile Abstinenz, 12 Monate |
| D3 | Drogengefährdung | dauerhafte Abstinenz, oft 6 Monate ausreichend |
| V1–V3 | Verkehrsverstöße, Straftaten, Aggression | Problembewusstsein und belegte Verhaltens- oder Einstellungsänderung |
Für Straftaten gilt zusätzlich das Prinzip des Verhaltenstransfers: Auch Delikte außerhalb des Straßenverkehrs fließen ein, weil problematische Muster sich auf das Fahren übertragen können. Die Hypothesen im Detail erklärt der Ratgeber MPU-Hypothesen A1 bis V3.
Welche drei Nachweise braucht ein positives Gutachten?
Ein positives MPU-Gutachten braucht in der Regel drei Säulen, die glaubhaft und widerspruchsfrei zusammenpassen. Diese drei Säulen ziehen sich durch alle Hypothesengruppen.
- Problemeinsicht und Ursachenverständnis: Du setzt dich ehrlich mit deinem eigenen Konsum- oder Verhaltensmuster auseinander, ohne zu bagatellisieren oder eine „Einmal-Ausrutscher“-Erzählung, wenn das Muster dagegen spricht.
- Verhaltensänderung: Du hast konkret und nachvollziehbar etwas verändert, zum Beispiel Abstinenz oder kontrolliertes Trinken, ein neues Umfeld oder Strategien für Risikosituationen.
- Stabilität und Motiv: Die Änderung ist über ausreichend Zeit erprobt und verinnerlicht. Dein Motiv trägt auch unter Stress und kommt nicht nur aus dem Wunsch nach dem Führerschein.
Diese Säulen prüft der Gutachter vor allem im psychologischen Gespräch, das deshalb der wichtigste Teil der MPU ist. Wie die Untersuchung abläuft, liest du unter Ablauf der MPU.
Wie prüft der Gutachter, ob deine Angaben stimmen?
Der Gutachter prüft die Konsistenz zwischen Aktenlage, Fragebogen, Laborwerten und deiner Erzählung. Widersprüche fallen dabei sofort auf und gehören zu den häufigsten Gründen für ein negatives Gutachten.
Trinkmengen-Rückrechnung
Bei Alkohol rechnet der Gutachter die Trinkmenge aus der gemessenen Blutalkoholkonzentration zurück. Passt deine angegebene Menge nicht zum Promillewert oder zu Laborwerten wie CDT, ist das ein klarer Widerspruch. Ehrliche, zur Aktenlage passende Angaben sind deshalb unverzichtbar.
Giftfestigkeit
Ein hoher Promillewert ohne Ausfallerscheinungen gilt als Zeichen von Giftfestigkeit, also starker Alkoholgewöhnung. Der Gutachter schließt daraus auf regelmäßig gesteigerten Konsum über längere Zeit. Die Erklärung, es sei ein einmaliger Ausrutscher gewesen, ist dann praktisch chancenlos, und hohe Werte sprechen eher für A1 oder A2.
Hinweis: Auswendig gelernte Musterantworten widersprechen dem Prinzip der Kriterien. Gutachter suchen gelebte, belegte Veränderung und erkennen einstudierte Floskeln.
Welche Regeln gelten für den Abstinenznachweis?
Für Abstinenznachweise gelten die CTU-Kriterien (Chemisch-Toxikologische Untersuchung), die Teil der Beurteilungskriterien und Begutachtungsleitlinien sind. Erfüllt ein Nachweis diese formalen Anforderungen nicht, kann er wertlos sein.
| Anforderung | Was sie bedeutet |
|---|---|
| Akkreditiertes Labor | Akkreditierung nach DIN EN ISO/IEC 17025 (forensische Toxikologie) |
| Unangekündigte Termine | kurzfristige Einbestellung, in der Regel binnen ca. 24 Stunden |
| Identitätskontrolle | Ausweis, Abgabe unter Sicht bei Urinproben |
| Lückenlose Dokumentation | Chain of Custody von der Probe bis zum Labor |
| Durchgehendes Programm | ein verpasster oder positiver Termin kann das Programm entwerten |
Üblich sind beim Urinscreening 4 Kontrollen in 6 Monaten oder 6 Kontrollen in 12 Monaten. Eine Haaranalyse auf Alkohol deckt höchstens 3 cm Haar, also etwa 3 Monate, ab. Alle Methoden im Vergleich zeigt die Seite Abstinenznachweis.
Was bedeuten die Kriterien für deine Vorbereitung?
Die Beurteilungskriterien bestimmen, worauf sich deine Vorbereitung konzentrieren sollte. Wer die eigene Hypothese kennt, weiß, welche Nachweise nötig sind und wie lange der Weg zur MPU dauert.
- Aktenlage klären: Über Akteneinsicht erfährst du Werte, Vorfälle und Fragestellung, aus denen sich die Einordnung ergibt.
- Zeitplan an der Hypothese ausrichten: Verlangt dein Fall 12 Monate Abstinenz, ist der Nachweiszeitraum der Flaschenhals der ganzen Planung.
- Echte Aufarbeitung statt Antwort-Drill: Seriöse Vorbereitung hilft dir, Ursachen zu verstehen und Veränderung zu belegen.
- Keine Versprechen glauben: Eine Bestehensgarantie gibt es nicht, weil der Gutachter unabhängig nach den Kriterien bewertet.
Wie eine gute Vorbereitung aufgebaut ist, erklärt die Seite MPU-Vorbereitung.
Wie geht es jetzt weiter?
Verschaffe dir per Akteneinsicht Klarheit über deine Aktenlage, damit du einschätzen kannst, welcher Hypothese dein Fall voraussichtlich zugeordnet wird. Starte einen geforderten Abstinenznachweis nach CTU-Kriterien so früh wie möglich. Über MPU Plus kannst du eine passende Beratung finden, die mit den Beurteilungskriterien arbeitet.
Häufige Fragen
Sind die Beurteilungskriterien bei TÜV und DEKRA gleich?
Ja, alle amtlich anerkannten Begutachtungsstellen bewerten nach denselben Beurteilungskriterien und Begutachtungsleitlinien. Unterschiede gibt es bei Preisen und Terminen, nicht beim fachlichen Maßstab. Die Wahl der Stelle entscheidet daher nicht über dein Ergebnis.
Welche Auflage der Beurteilungskriterien gilt 2026?
Seit Anfang 2026 gilt die 5. Auflage, die an das Cannabisgesetz angepasst wurde. Zentrale Neuerungen der 4. Auflage von 2022, etwa die Anerkennung von PEth, gelten weiter. Gutachter richten sich nach der jeweils aktuellen Auflage.
Kann ich selbst bestimmen, in welche Hypothese ich falle?
Nein, die Zuordnung ergibt sich aus der Aktenlage, also aus Werten, Vorfällen und Wiederholungen. Deine Angaben müssen dazu passen, sonst wirken sie unglaubwürdig. Eine Vorbereitung kann dir helfen, deine Einordnung realistisch einzuschätzen.
Ist kontrolliertes Trinken laut Beurteilungskriterien erlaubt?
Kontrolliertes Trinken ist möglich, wenn kein Abhängigkeitsbefund vorliegt, vor allem bei A3 und A4. Bei A2 gilt es seit 2022 nur als enge Ausnahme mit stabilem, therapeutisch erarbeitetem Konzept. Bei Abhängigkeit (A1) ist es ausgeschlossen.
Was passiert, wenn mein Abstinenznachweis die CTU-Kriterien nicht erfüllt?
Dann kann der Nachweis für die MPU wertlos sein, auch wenn alle Werte unauffällig waren. Typische Fehler sind ein nicht akkreditiertes Labor oder angekündigte Termine. Kläre deshalb vor dem Start, ob Labor und Programm anerkannt sind.