Kurz gesagt
Die MPU (Medizinisch-Psychologische Untersuchung) ist ein Fahreignungsgutachten. Sie klärt, ob du nach einer Auffälligkeit wie einer Alkoholfahrt, Drogenkonsum oder 8 Punkten wieder sicher am Straßenverkehr teilnehmen kannst. Angeordnet wird sie von der Fahrerlaubnisbehörde, erstellt von einer amtlich anerkannten Begutachtungsstelle für Fahreignung (BfF).
Was bedeutet MPU genau?
Die MPU ist die Medizinisch-Psychologische Untersuchung, ein Gutachten über deine Fahreignung. Sie beantwortet eine konkrete Frage: Kannst du nach einer früheren Auffälligkeit wieder sicher ein Fahrzeug führen, ohne dass sich das Problem wiederholt?
Die MPU ist keine Strafe und keine Prüfung deines Allgemeinwissens. Sie ist ein Instrument der Gefahrenabwehr. Die Behörde will wissen, ob sich die Ursache deiner Auffälligkeit so verändert hat, dass keine erhöhte Gefahr mehr von dir ausgeht.
Die rechtlichen Grundlagen stehen im Straßenverkehrsgesetz (StVG) und in der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV). Zentral sind:
- § 11 FeV – allgemeine Eignung, z. B. bei Erkrankungen
- § 13 FeV – Alkohol
- § 13a FeV – Cannabis (seit 2024)
- § 14 FeV – Betäubungsmittel und Arzneimittel außer Cannabis
- § 4 StVG – Fahreignungsregister und Punkte
Wer ordnet die MPU an und wer führt sie durch?
Die MPU wird von der Fahrerlaubnisbehörde (Führerscheinstelle) angeordnet, durchgeführt wird sie von einer unabhängigen Begutachtungsstelle für Fahreignung (BfF). Diese Trennung ist wichtig, weil viele glauben, das Gericht oder die Polizei würde die MPU verlangen.
Das Gericht verhängt bei einer Straftat den Entzug der Fahrerlaubnis und eine Sperrfrist (§ 69a StGB). Die MPU-Anordnung kommt aber immer von der Behörde, meist dann, wenn du nach Ablauf der Sperre die Neuerteilung beantragst.
Die Behörde formuliert dabei eine behördliche Fragestellung, die an deinen Anlass gebunden ist. Genau diese Frage beantwortet das Gutachten. Deshalb solltest du die Anordnung immer genau lesen und vorab Akteneinsicht verlangen.
| Rolle | Wer? | Aufgabe |
|---|---|---|
| Anordnung | Fahrerlaubnisbehörde | Legt Anlass und Fragestellung fest, entscheidet über den Führerschein |
| Begutachtung | Amtlich anerkannte BfF, z. B. TÜV, DEKRA, pima-mpu, AVUS, ias | Untersucht dich und erstellt das Gutachten |
| Vorbereitung | Beratung, Verkehrspsychologie, Verkehrstherapie | Hilft dir, die Ursachen aufzuarbeiten, bewertet aber nicht |
Die Begutachtungsstelle darfst du unter den amtlich anerkannten Stellen frei wählen. Beratung und Begutachtung sind strikt getrennt: Wer dich vorbereitet, schreibt nicht dein Gutachten.
Aus welchen Bausteinen besteht die MPU?
Die MPU besteht immer aus drei Bausteinen: medizinische Untersuchung, Leistungstest und psychologisches Gespräch. Vorab füllst du zusätzlich einen standardisierten Fragebogen aus. Insgesamt dauert der Termin etwa 3 bis 4 Stunden.
Medizinische Untersuchung
Die medizinische Untersuchung dauert rund 30 bis 40 Minuten. Ein Arzt oder eine Ärztin erhebt den körperlichen Befund, spricht mit dir über Anlass und Konsumverhalten und wertet Laborwerte aus, bei Alkohol zum Beispiel Leberwerte wie GGT oder CDT. Abstinenznachweise legst du hier im Original vor.
Leistungs- und Reaktionstest
Der Leistungstest dauert ebenfalls rund 30 bis 40 Minuten und läuft am Computer, meist am Wiener Testsystem oder am Corporal. Geprüft werden Reaktion, Konzentration, Wahrnehmung und Belastbarkeit unter Zeitdruck. Der Test ist gut übbar, und bei schwachem Ergebnis ist oft eine Fahrverhaltensprobe als Ausgleich möglich.
Psychologisches Gespräch
Das psychologische Gespräch dauert 45 bis 60 Minuten und ist der wichtigste Teil der MPU. Ein Verkehrspsychologe oder eine Verkehrspsychologin prüft, ob du die Ursachen deiner Auffälligkeit verstanden hast und ob deine Veränderung stabil, belegt und von innen motiviert ist. Mehr dazu findest du unter Ablauf der MPU.
Aus welchen Anlässen wird eine MPU angeordnet?
Eine MPU wird angeordnet, wenn Tatsachen Zweifel an deiner Fahreignung begründen. Die häufigsten Anlässe sind Alkohol, Cannabis, andere Drogen, 8 Punkte, Straftaten mit Aggressionsbezug und bestimmte Erkrankungen.
| Anlass | Typische Schwelle | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Alkohol am Steuer | ab 1,6 ‰ BAK, bei Wiederholung auch darunter, ab 1,1 ‰ ohne Ausfallerscheinungen möglich | § 13 FeV |
| Cannabis | in der Regel ab der 2. Fahrt über 3,5 ng/ml THC, bei Zusatztatsachen schon bei der 1. | § 13a FeV |
| Harte Drogen | schon einmaliger Konsum kann reichen, auch ohne Fahrt | § 14 FeV |
| Punkte | 8 Punkte im Fahreignungsregister | § 4 StVG |
| Straftaten, Aggression | z. B. Nötigung, Fahrerflucht, verbotenes Rennen, Körperverletzung | § 11 Abs. 3 FeV |
| Fahrrad und E-Scooter | Fahrrad ab 1,6 ‰, E-Scooter wie Auto | § 13 FeV |
| Krankheit, Medikamente | z. B. Epilepsie, Diabetes, Sehvermögen | § 11 FeV |
Ob du selbst betroffen bist, kannst du Schritt für Schritt unter Brauche ich eine MPU? prüfen. Die Einzelheiten zu Alkohol findest du unter MPU wegen Alkohol.
Was kostet eine MPU ungefähr?
Eine MPU kostet insgesamt realistisch etwa 1.500 bis 4.000 € (Richtwert, Stand 2026). Seit 2018 legt jede Begutachtungsstelle ihre Preise selbst fest, deshalb gibt es nur Spannen.
Die reine Gutachtengebühr liegt je nach Anlass bei rund 400 bis 900 €. Den größten Unterschied machen Abstinenznachweise bei Alkohol oder Drogen und der Umfang der Vorbereitung. Dazu kommt die Gebühr der Behörde für die Wiedererteilung. Eine genaue Aufstellung mit Rechenbeispielen findest du unter MPU-Kosten.
Wie lange dauert der Weg bis zur MPU?
Der MPU-Termin selbst dauert nur 3 bis 4 Stunden, der Weg dorthin aber oft viele Monate. Den Zeitplan bestimmt in den meisten Fällen der Abstinenzzeitraum, wenn er gefordert ist.
- Sperrfrist: bei gerichtlichem Entzug in der Regel 6 Monate bis 5 Jahre (§ 69a StGB).
- Abstinenznachweis: meist 6 oder 12 Monate vor der MPU, belegt nach CTU-Kriterien.
- Vorbereitung: typisch 10 bis 12 Sitzungen über 2 bis 3 Monate.
- Antrag auf Neuerteilung: etwa 3 Monate vor Ablauf der Sperre stellen.
Wer Abstinenz nachweisen muss, sollte das Programm so früh wie möglich starten. Wie das richtig geht, steht unter Abstinenznachweis.
Muss ich das Gutachten bei der Behörde einreichen?
Das MPU-Gutachten bekommst du selbst, und die Vorlage bei der Behörde ist freiwillig. Ein negatives Gutachten musst du nicht einreichen; dann erfährt die Behörde nichts von seinem Inhalt.
Ein Gutachten kann positiv, negativ oder mit einer Kursempfehlung ausfallen. Bei einer Kursempfehlung kann ein anerkannter Kurs nach § 70 FeV ein grenzwertiges Ergebnis noch in „geeignet“ wenden. Ein gesetzliches Verfallsdatum hat das Gutachten nicht, Behörden akzeptieren es in der Praxis aber meist nur etwa 1 bis 3 Jahre.
Bestehst du nicht, ist das kein endgültiges Aus. Du kannst die MPU wiederholen, solltest aber vorher die Gründe analysieren und echt aufarbeiten. Tipps dazu findest du unter MPU nicht bestanden.
Ist die MPU wirklich ein „Idiotentest“?
Die MPU ist kein Intelligenztest, auch wenn sie umgangssprachlich „Idiotentest“ heißt. Niemand prüft, wie klug du bist. Geprüft wird, ob du dein früheres Verhalten verstanden und nachhaltig geändert hast.
Durchfallen hat deshalb selten mit mangelnder Intelligenz zu tun. Typische Gründe sind Bagatellisieren, auswendig gelernte Musterantworten, Widersprüche zwischen Angaben und Laborwerten oder ein zu spät begonnener Abstinenznachweis. Ohne Vorbereitung bestehen viele nicht; wer sich ehrlich und gründlich vorbereitet, hat deutlich bessere Chancen.
Hinweis: Seriöse Vorbereitung verspricht nie eine Bestehensgarantie. Es zählt echte, belegte Veränderung, keine auswendig gelernten Antworten.
Auch „Abkürzungen“ wie ein EU-Führerschein mit Scheinwohnsitz sind keine Lösung. Wegen des Wohnsitzprinzips wird ein solcher Führerschein in Deutschland in der Regel nicht anerkannt, und wer damit fährt, riskiert eine Strafe wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis.
Wie geht es jetzt weiter?
Der erste Schritt ist die Akteneinsicht bei deiner Fahrerlaubnisbehörde, denn nur so kennst du Anlass und Fragestellung. Wenn Abstinenz gefordert sein könnte, starte früh mit einem anerkannten Programm. Über MPU Plus kannst du eine passende Beratung finden, die zu deinem Fall passt. Bei rechtlichen Fragen zur Anordnung hilft ein Fachanwalt für Verkehrsrecht.
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine MPU am Untersuchungstag?
Der MPU-Termin dauert etwa 3 bis 4 Stunden. Er umfasst einen Fragebogen, die medizinische Untersuchung, den Leistungstest am Computer und das psychologische Gespräch. Plane den ganzen Vormittag oder Nachmittag ein und komm ausgeschlafen und pünktlich.
Kann ich mir die MPU-Stelle selbst aussuchen?
Ja, du darfst die Begutachtungsstelle frei wählen, solange sie amtlich anerkannt ist. Dazu gehören zum Beispiel TÜV, DEKRA, pima-mpu, AVUS oder ias. Die Preise unterscheiden sich, weil jede Stelle ihre Gebühren seit 2018 selbst festlegt.
Erfährt die Führerscheinstelle, wenn ich durchfalle?
Nein, ein negatives Gutachten musst du nicht einreichen. Die Vorlage ist freiwillig, das Gutachten kennen nur du und die Begutachtungsstelle. Die Behörde entscheidet nur auf Grundlage des Gutachtens, das du tatsächlich vorlegst.
Wer bezahlt die MPU?
Die Kosten der MPU trägst du selbst. Dazu zählen die Gutachtengebühr, gegebenenfalls Abstinenznachweise, die Vorbereitung und die Gebühr für die Wiedererteilung. Insgesamt kommen realistisch etwa 1.500 bis 4.000 € zusammen (Richtwert 2026).
Kann ich den Leistungstest vorher üben?
Ja, der Leistungstest ist gut übbar, zum Beispiel mit kostenlosen Simulatoren. Geprüft werden Reaktion, Konzentration und Belastbarkeit. Reine Testschwäche lässt selten durchfallen, weil oft eine Fahrverhaltensprobe als Ausgleich möglich ist.