Kurz gesagt
Das MPU-Glossar erklärt die wichtigsten Begriffe und Abkürzungen rund um die Medizinisch-Psychologische Untersuchung in ein bis zwei Sätzen. Du findest hier Rechtsbegriffe wie FeV, StVG und Sperrfrist, Labormarker wie EtG und PEth sowie Fachbegriffe aus der Begutachtung wie Hypothese, Giftfestigkeit und Verhaltenstransfer.
Rund um die MPU begegnen dir viele Abkürzungen aus Recht, Medizin und Verkehrspsychologie. Dieses Glossar sortiert sie alphabetisch und erklärt jeden Begriff kurz. Einen Einstieg in das Thema bietet dir Was ist eine MPU?.
A bis E
- Abstinenznachweis – Belegter Verzicht auf Alkohol oder Drogen über meist 6 oder 12 Monate vor der MPU. Er muss nach CTU-Kriterien in einem akkreditierten Labor erbracht werden, Details unter Abstinenznachweis.
- Akteneinsicht – Einsicht in deine Akte bei der Fahrerlaubnisbehörde. Sie zeigt dir alle vorgeworfenen Tatsachen und die genaue Fragestellung und ist die Basis jeder seriösen Vorbereitung.
- ASF (Aufbauseminar für Fahranfänger) – Pflichtseminar bei Verstößen in der Probezeit mit 4 Sitzungen à 135 Minuten. Das ASF ist keine MPU und verlängert die Probezeit um 2 Jahre.
- BAK (Blutalkoholkonzentration) – Alkoholgehalt im Blut, angegeben in Promille (‰). Ab 1,6 ‰ bei einer Fahrt wird eine MPU angeordnet, ab 1,1 ‰ liegt absolute Fahruntüchtigkeit vor.
- Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung – Fachlicher Standard der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) für die Beurteilung der Fahreignung. Sie gelten auch für medizinische Fragen wie Epilepsie oder Diabetes.
- Behördliche Fragestellung – Die konkrete Frage, die die Fahrerlaubnisbehörde in der MPU-Anordnung stellt. Das Gutachten beantwortet genau diese Frage.
- Beurteilungskriterien – Leitfaden „Urteilsbildung in der Fahreignungsbegutachtung“ der Fachgesellschaften DGVP und DGVM, nach dem Gutachter bewerten. Aktuell gilt die 5. Auflage von 2026.
- BfF (Begutachtungsstelle für Fahreignung) – Amtlich anerkannte Stelle, die die MPU durchführt, zum Beispiel TÜV, DEKRA, pima-mpu, AVUS oder ias. Du darfst sie frei wählen.
- Chain of Custody – Lückenlose Dokumentation der Probenkette beim Abstinenznachweis, von der Identitätskontrolle bis zum Labor. Fehlt sie, kann der Nachweis wertlos sein.
- Corporal – Computergestütztes Testsystem für den Leistungs- und Reaktionstest. Es wird neben dem Wiener Testsystem an Begutachtungsstellen eingesetzt.
- CTU (Chemisch-Toxikologische Untersuchung) – Standard für Abstinenznachweise mit festen Regeln zu Labor, unangekündigten Terminen und Dokumentation. Nur Nachweise nach CTU-Kriterien werden bei der MPU anerkannt.
- EtG (Ethylglucuronid) – Direkter Alkohol-Marker, im Urin etwa 24 bis 80 Stunden und im Haar rückwirkend etwa 3 Monate nachweisbar. EtG kann auch durch alkoholhaltige Lebensmittel oder Mundspülung anschlagen.
F bis J
- FAER (Fahreignungsregister) – Das Register in Flensburg, in dem Punkte und eignungsrelevante Entscheidungen gespeichert werden. Es wird vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) geführt.
- Fahrerlaubnisbehörde – Die Führerscheinstelle deiner Stadt oder deines Kreises. Sie ordnet die MPU an und entscheidet über die Erteilung der Fahrerlaubnis.
- Fahrverhaltensprobe – Echte Fahrt mit Beobachtung, die bei schwachem Leistungstest als Ausgleich möglich ist. Reine Testschwäche führt deshalb selten zum Durchfallen.
- FES (Fahreignungsseminar) – Freiwilliges Seminar nach § 4a StVG, das bei 1 bis 5 Punkten 1 Punkt abbaut. Es ist nur einmal in 5 Jahren möglich und kein Ersatz für eine MPU.
- FeV (Fahrerlaubnis-Verordnung) – Verordnung mit den zentralen Regeln zur MPU-Anordnung. Wichtig sind § 11 (allgemeine Eignung), § 13 (Alkohol), § 13a (Cannabis) und § 14 (Drogen und Arzneimittel).
- Führerscheintourismus – Erwerb eines EU-Führerscheins über einen Scheinwohnsitz, um die MPU zu umgehen. Wegen des Wohnsitzprinzips wird ein solcher Führerschein in Deutschland in der Regel nicht anerkannt.
- Giftfestigkeit – Hoher Promillewert ohne Ausfallerscheinungen als Zeichen starker Alkoholgewöhnung. Gutachter schließen daraus auf regelmäßigen Konsum über längere Zeit.
- Haaranalyse – Abstinenznachweis über eine Haarprobe, bei Alkohol mit maximal 3 cm Haar für etwa 3 Monate. Gefärbtes oder gebleichtes Haar macht die EtG-Haaranalyse unbrauchbar.
- Hypothese – Fallgruppe aus den Beurteilungskriterien, etwa A1 bis A4 bei Alkohol, D1 bis D3 bei Drogen oder V1 bis V3 bei Verkehrsverstößen. Sie legt fest, was du für ein positives Gutachten nachweisen musst.
- Idiotentest – Umgangssprachlicher Name für die MPU. Die MPU ist aber kein Intelligenztest, sondern prüft deine Verhaltensänderung.
K bis O
- KBA (Kraftfahrt-Bundesamt) – Bundesbehörde, die das Fahreignungsregister in Flensburg führt. Dort sind deine Punkte gespeichert.
- Kontrolliertes Trinken – Alternative zur Abstinenz bei Alkohol mit festen Regeln zu Menge und Anlässen und immer 0,0 ‰ am Steuer. Sie ist nur ohne Abhängigkeitsbefund und bei passender Aktenlage möglich.
- Kurs nach § 70 FeV – Amtlich anerkannter Kurs zur Wiederherstellung der Fahreignung. Er kann ein grenzwertiges MPU-Ergebnis in „geeignet“ wenden, wenn das Gutachten ihn empfiehlt.
- Leberwerte (GGT, GOT, GPT, CDT, MCV) – Indirekte Alkohol-Marker aus der medizinischen Untersuchung. Für den Abstinenznachweis spielen sie heute kaum noch eine Rolle.
- Leistungstest – Computertest zu Reaktion, Konzentration, Wahrnehmung und Belastbarkeit, etwa 30 bis 40 Minuten lang. Er ist einer der drei Bausteine der MPU und gut übbar.
- Medikamentenprivileg – Regel in § 24a Abs. 4 StVG, nach der die bestimmungsgemäße Einnahme verschriebener Arzneimittel, auch Medizinalcannabis, keine Ordnungswidrigkeit ist. Bei Fahruntüchtigkeit schützt sie nicht.
- Medizinische MPU – MPU wegen Erkrankung oder Dauermedikation nach § 11 FeV, etwa bei Epilepsie, Diabetes oder Sehproblemen. Oft reicht zunächst ein fachärztlicher Bericht, mehr unter medizinische MPU.
- MPU (Medizinisch-Psychologische Untersuchung) – Fahreignungsgutachten, das klärt, ob du nach einer Auffälligkeit wieder sicher fahren kannst. Sie besteht aus medizinischer Untersuchung, Leistungstest und psychologischem Gespräch.
- Negatives Gutachten – MPU-Ergebnis, nach dem die Fahreignung nicht bestätigt wird. Du musst es nicht bei der Behörde einreichen, mehr unter MPU nicht bestanden.
P bis S
- PEth (Phosphatidylethanol) – Alkohol-Marker im Blut, der den Konsum der letzten etwa 2 bis 4 Wochen abbildet. Ein Wert unter 20 ng/ml gilt als Abstinenz.
- Prozentrang – Ergebnis im Leistungstest im Vergleich zu einer Normstichprobe. Für die MPU gelten Mindestanforderungen.
- Psychologisches Gespräch – Gespräch mit einer Verkehrspsychologin oder einem Verkehrspsychologen über 45 bis 60 Minuten. Es ist der wichtigste Teil der MPU und prüft Einsicht, Veränderung und Stabilität.
- Sperrfrist – Vom Gericht festgelegter Zeitraum nach § 69a StGB, in dem keine neue Fahrerlaubnis erteilt wird. Sie beträgt in der Regel 6 Monate bis 5 Jahre.
- StGB (Strafgesetzbuch) – Gesetz mit den Regeln zu Entzug und Sperre (§ 69, § 69a) und zu typischen Verkehrsdelikten. Dazu zählen Fahrerflucht (§ 142), Nötigung (§ 240) und Gefährdung des Straßenverkehrs (§ 315c).
- StVG (Straßenverkehrsgesetz) – Gesetz mit Grundregeln zu Fahreignung, Punkten (§ 4) und Tilgung (§ 29). In § 24a steht der THC-Grenzwert von 3,5 ng/ml.
T bis Z
- THC und THC-COOH – THC ist der Wirkstoff von Cannabis, THC-COOH sein Abbauprodukt. Im Straßenverkehr gilt ein Grenzwert von 3,5 ng/ml THC im Blutserum.
- Tilgung – Löschung eines Eintrags im Fahreignungsregister nach gestaffelten Fristen von 2,5, 5 oder 10 Jahren (§ 29 StVG). Nach Tilgungsreife folgt noch eine Überliegefrist.
- Trennvermögen – Fähigkeit, Alkoholkonsum und Fahren zuverlässig zu trennen. Es entspricht der Hypothese A4 in den Beurteilungskriterien.
- Überliegefrist – Zusätzliches Jahr nach Tilgungsreife, bevor ein Eintrag im Fahreignungsregister endgültig gelöscht wird. Erst danach ist er nicht mehr verwertbar.
- Urinscreening – Abstinenznachweis über unangekündigte Urinproben unter Sicht. Üblich sind 4 Kontrollen in 6 Monaten oder 6 Kontrollen in 12 Monaten.
- Verhaltenstransfer – Prinzip, nach dem auch Delikte außerhalb des Straßenverkehrs deine Fahreignung betreffen können. Die Behörde nimmt an, dass sich problematische Muster auf das Fahren übertragen.
- Verkehrspsychologische Beratung nach § 71 FeV – Amtlich anerkannte Beratung, vor allem für Fahranfänger in der Probezeit. Die freiwillige MPU-Vorbereitung bei Verkehrspsychologen ist inhaltlich verwandt, aber nicht zwingend daran gebunden.
- Verkehrstherapie – Intensivere, längere Begleitung, etwa bei Abhängigkeit oder Wiederholungsfällen. Mehr zu den Formen der Vorbereitung unter MPU-Vorbereitung.
- Verwertbarkeit – Frage, ob ein Eintrag noch für die Beurteilung deiner Fahreignung herangezogen werden darf. Nach der Löschung ist das nicht mehr erlaubt.
- Wiener Testsystem (WTS) – Weit verbreitetes Computersystem für den MPU-Leistungstest. Es misst unter anderem Reaktion, Konzentration und Belastbarkeit unter Zeitdruck.
- Wohnsitzprinzip – Regel, nach der ein EU-Führerschein nur anerkannt wird, wenn du mindestens 185 Tage im Jahr im Ausstellerland gewohnt hast. Scheinwohnsitze erfüllen das in der Regel nicht.
Wie geht es jetzt weiter?
Wenn du die Begriffe aus deiner Anordnung jetzt einordnen kannst, ist Akteneinsicht dein nächster Schritt. Starte einen geforderten Abstinenznachweis möglichst früh, denn er bestimmt meist deinen Zeitplan. Über MPU Plus kannst du eine passende Beratung finden.
Häufige Fragen
Was bedeutet BfF bei der MPU?
BfF steht für Begutachtungsstelle für Fahreignung. Das ist die amtlich anerkannte Stelle, die deine MPU durchführt und das Gutachten erstellt, zum Beispiel TÜV oder DEKRA. Angeordnet wird die MPU dagegen von der Fahrerlaubnisbehörde.
Was ist der Unterschied zwischen EtG und PEth?
EtG und PEth sind beides direkte Alkohol-Marker, werden aber unterschiedlich gemessen. EtG wird im Urin oder Haar bestimmt, PEth im Blut. PEth bildet den Konsum der letzten etwa 2 bis 4 Wochen ab, ein Wert unter 20 ng/ml gilt als Abstinenz.
Was heißt A1 bis A4 bei der MPU?
A1 bis A4 sind die Hypothesen für Alkoholfälle aus den Beurteilungskriterien. A1 steht für Abhängigkeit, A2 für fortgeschrittenen Missbrauch, A3 für Alkoholgefährdung und A4 für Fälle, in denen es um das sichere Trennen von Trinken und Fahren geht. Die Einstufung bestimmt, ob Abstinenz nötig ist oder kontrolliertes Trinken reichen kann.
Was ist eine CTU bei der MPU?
CTU steht für Chemisch-Toxikologische Untersuchung. Sie legt fest, wie Abstinenznachweise ablaufen müssen, etwa mit akkreditiertem Labor, unangekündigten Terminen und lückenloser Dokumentation. Nur Nachweise nach CTU-Kriterien werden anerkannt.
Was bedeutet Sperrfrist beim Führerschein?
Die Sperrfrist ist der Zeitraum, in dem du keine neue Fahrerlaubnis bekommen kannst. Das Gericht legt sie nach § 69a StGB fest, in der Regel zwischen 6 Monaten und 5 Jahren. Den Antrag auf Neuerteilung solltest du rund 3 Monate vor Ablauf stellen.